Geschrieben von:  Michael Bayer

Um was geht es?  Güterladestelle Wittenau - Theaterbühnen reisten von hier in die Welt

Was sagt das Beitragseinleitungsfoto aus?   Der Fotograf steht an der Einfahrweiche 1 der Güterladestelle Wittenau. Gleich dahinter zweigt an der Weiche 2 der Anschluss Max Hensel ab. August 1969 Foto Slg Dummer.

 

1. Er diente nur dem Güterverkehr: Wittenaus dritter Bahnhof 

 

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Die „Güterverladestelle Wittenau“ wurde u.a. in älteren Dokumenten als „Industriebahnhof Wittenau“ bezeichnet. Am Anfang des 19. Jahrhunderts hatte dieser Bahnhof eine recht zentrale Bedeutung, da von hier nicht nur zahlreiche Anschlussgleise abgingen und der gesamte Verkehr der ITF auf dem Weg nach Friedrichsfelde diesen Bereich passieren musste. An dieser Stelle sollte auch ein Gütergleis ankommen, welches die ITF mit der Nordbahn verbinden sollte.


Die Ladestelle  Wittenau 1962 Blick Richtung Tegel. Am linken Bildrand ist das Gebäude der Hensel GmbH zu erkennen. Foto Sammlung DummerDie Ladestelle Wittenau 1962 Blick Richtung Tegel. Am linken Bildrand ist das Gebäude der Hensel GmbH zu erkennen. Foto Sammlung DummerEs war dafür eine parallele Gleisführung zur „Hermsdorfer Straße“ und dann die Unterquerung der Nordbahn geplant. Das entsprechende Brückenbauwerk wurde auch tatsächlich gebaut, welches bei der Reichsbahndirektion mit der Nummer 1654 geführt wurde. Danach sollte es in einem Bogen in Höhe der heutigen Straße „Am Waidmannseck“ zur Nordbahn und am Bahnhof Berlin-Waidmannslust vorbeigeführt werden. Als Endpunkt war der Güterbahnhof Berlin-Hermsdorf vorgesehen. In einem Schreiben der Reichsbahndirektion Berlin vom 21. Oktober 1933 ist sogar die Rede von einem geplanten Privatanschlussgleis an der „Hermsdorfer Straße“. Bis auf die Brücke wurde das Vorhaben aber nicht realisiert.

 

 

 

 

 

 Die Ladestelle Wittenau im Februar 1947. Die Infrakstruktur der Ladestelle ist relativ umfangreich ausgebildet. Plan Slg HannemannDie Ladestelle Wittenau im Februar 1947. Die Infrakstruktur der Ladestelle ist relativ umfangreich ausgebildet. Plan Slg Hannemann

Gleisplan der Ladestelle Wittenau  1962 mit dem Anschluss der Firma Max Hensel Die Infrastruktur der Ladestelle ist im Vergleich zu 1947 deutlich vereinfacht ausgebildet.  Archiv Lars MolzbergerGleisplan der Ladestelle Wittenau 1962 mit dem Anschluss der Firma Max Hensel Die Infrastruktur der Ladestelle ist im Vergleich zu 1947 deutlich vereinfacht ausgebildet. Archiv Lars Molzberger

Kurz vor und hinter der Güterverladestelle Wittenau/Lange Enden gab es in den 1970er Jahren noch nördlich und südlich des Hauptgleises zwei Ladegleise. In den 1980er Jahren war in dem ehemaligen Güterschuppen der „Kartoffel- und Eierhandel Helmut Manna“ untergebracht.

Die Güterverladestelle wurde im Herbst 1980 stillgelegt. Der Güterschuppen Wittenau am ehemaligen Streckenkilometer 2,93 (Beginn am Tegeler Hafen mit Km 0,0) wurde abgerissen.

 

2. Gleisanschluss der „Kölle & Hensel GmbH

 

Die Fabrik Max Hensel von der Straßenseite aus gesehen. Unbekanntes Datum. Foto Archiv Postmaxe PolzinDie Fabrik Max Hensel von der Straßenseite aus gesehen. Unbekanntes Datum. Foto Archiv Postmaxe PolzinDie Firma „Max Hensel Maschinen- und Eisenbau“ lag mit seinem 30.000qm großen Grundstück an der „Hermsdorfer Straße 81-95“ gleich neben der Ortsverladestelle Wittenau/Lange Enden und partizipierte damit von der Ladestraße des Bahnhofs. Seit dem Jahr 1911 war „Max Hensel“ an dieser Stelle ansässig. Der Firmenbau stammte von dem Architekten Arnold von Goedecke. Der damalige Neubau wurde notwendig, weil das zuvor von den beiden Geschäftsleuten Max Hensel und Heinrich Kölle gegründete Werk in der „Turmstraße“ in Berlin-Moabit zu klein geworden war.[1]

Die Firma unterhielt auch ein eigenes Nebenanschlussgleis, welche von der Weiche Nr. 2 des Güterbahnhofs abging. Insgesamt stellte die Firma von 1910 bis März 1979 u.a. Theaterbühnen, Eisenbahnwaggons, Stahlkonstruktionen und Kräne her. Für den Transport der schweren Bauteile eignete sich das Industriegleis in besonderer Weise. Die o.a. Theaterbühnen wurden zum Schwerpunkt der Produktionen. Die Bühnen wurden nicht nur in Berlin verwendet, sondern bis nach Südamerika, Schweden und Griechenland exportiert.

Auf einer topographischen Karte von 1943 ist der Anschluss Hensel samt Fabrik auszumachen. Archiv Lars MolzbergerAuf einer topographischen Karte von 1943 ist der Anschluss Hensel samt Fabrik auszumachen. Archiv Lars Molzberger

Max Hensel führte die Firma bis zu seinem Tod am 11. März 1951. Danach übernahm sein Sohn Dr. Gerhard Hensel die Firmengeschäfte[6], die er bis zum Schluss im Jahr 1979 führte ohne jedoch einen Nachfolger zu haben.

Die Firma stellte im April 1979 den Betrieb ein und die Firmeneinrichtung wurde versteigert. Am 31. August 1979 wurde das Betriebsgelände dem Käufer (Land Berlin) übereignet. Das Firmengelände wurde von März bis Mai 1980 abgetragen, nachdem zuvor das französische Militär in der Werksruine eine Art Häuserkampf übte. Letztendlich wurde der Betrieb am 24. Dezember 1983 aus dem Industrie- und Handelsregister gelöscht.

 

3. Gleisanschluss der „Cyclop Maschinenfabrik (Mehlis und Behrens)“

 

Zwischen der „Hermsdorfer Straße“ und der „Cyclopstraße“ hatte sich im Jahr 1910 die im Jahr 1872 gegründete „Cyclop Maschinenfabrik (Mehlis und Behrens)“ angesiedelt, die schon damals an die ITF angeschlossen war.

Die Hauptwerkstatt Cyclopstraße 1951. Foto Historisches Archiv der BVGDie Hauptwerkstatt Cyclopstraße 1951. Foto Historisches Archiv der BVGIm Jahr 1917 verkaufte die Firma das Gelände jedoch an die „Imperator Motorenwerken Wittenau“.  Nur drei Jahre später gab es einen erneuten Eigentümer-Wechsel auf dem Firmengrundstück.

Im Jahr 1920 siedelten sich die „Berliner Verkehrsbetriebe (BVG)“ mit ihrem Straßenbahn-Hauptlager auf dem Gelände an. Dabei übernahm der Betrieb einfach den vorhandenen Schienenanschluss und baute ihn für seine Zwecke weiter aus.[3]

Ab dem Jahr 1924 begannen die Projektarbeiten für die Neuerrichtung einer großen Zentralwerkstatt für die etwa 4.500 Straßenbahnwagen der „BVG“, in der zu Spitzenzeiten etwa 1000 Beschäftigte arbeiteten. Mit der Einstellung diverser Straßenbahnlinien zum 1. Juni 1958 war das Hauptlager nicht mehr direkt mit der Straßenbahn erreichbar. Spätestens nach der kompletten Einstellung des Straßenbahnbetriebs in West-Berlin am 2. Oktober 1967 war das Hauptlager obsolet. 1981 wurden die Gebäude abgerissen und das Gelände zum Teil neu bebaut.[4]

  

 Woher stammt das Wissen?

 

[1] vgl. Firmenchronik Max Hensel 1910 bis 1960.

[2] vgl. Artikel Nord-Berliner „Bühnen für die Theater“ vom 19.12.1991.

[3] siehe dazu http://www.verkehrsgeschichtliche-blaetter.de/lesetipps1_gartenlauben.html (Abruf am 20.12.2010). Link leider nicht mehr verfügbar (Abruf 10.11.2019)

[4] Berliner Verkehrsblätter 12/81, Kurzmeldung Seite 240