Geschrieben von:  Michael Bayer

Um was geht es?  Der Umschlagplatz für die Strecke - Bahnhof Tegel Hafen

Was sagt das Beitragseinleitungsfoto aus?   Tegel Hafen nach 1910. Es herrscht Hochbetrieb im Bahnhof. Foto Archiv Lars Molzberger

 

Inhaltsverzeichnis[Verbergen]

 

Im April 1907 legte das Bauamt des Kreises Niederbarnim eine Projektzeichnung für den Ausbau des Tegeler Hafens vor. Damit wurde auch eine erste Idee verworfen, die Bahnanlage auf einem Steindamm in den Tegeler See zu bauen, um dort die Tegel Hafen in den 1920er Jahren. Man erkennt sehr gut den Wasserturm des Bahnhofs. Foto Archiv Postmaxe PolzinTegel Hafen in den 1920er Jahren. Man erkennt sehr gut den Wasserturm des Bahnhofs. Foto Archiv Postmaxe Polzinankommenden Lastkähne zu entladen. Der Bau der Mole wurde aus unbekannten Gründen verworfen. Stattdessen verlegte man die Mündung des Tegeler Fließ nach Norden und erweiterte den See mit einer Hafenanlage[1]. Das Projekt wurde am 01. Mai 1907 durch den Kreisausschuss, vertreten durch den Landrat verbindlich, als er auf der o.a. Projektzeichnung seine Unterschrift setzte. Die Gemeinde Tegel begann im Jahr 1907 mit dem Bau des Hafens, um die Güter günstig umzuladen, die durch den projektierten Kaiser-Wilhelm-Kanal (Berlin-Stettin) nach Berlin kommen sollten. Dadurch sollte Tegel noch bedeutender werden. Auch der parallel erfolgte Bau der Industriebahn beflügelte das Bauvorhaben[2]. Der Hafenbau kostete etwa 500.000 Reichsmark. Die Gesamtkosten für den Grunderwerb und den Bau des Hafens sowie für die Industriebahn wurden auf 2.050.000 Reichsmark veranschlagt.

Gleisplan des Bahnhofs Tegel Hafen 1962. Es dürfte sich noch um den Ursprungszustand von 1908 handeln. Archiv Lars MolzbergerGleisplan des Bahnhofs Tegel Hafen 1962. Es dürfte sich noch um den Ursprungszustand von 1908 handeln. Archiv Lars Molzberger

Das Hafenbecken hatte nach der Fertigstellung eine Länge von 556 Metern und eine maximale Breite von 62,50 Metern. Es war Platz für 20 Schiffe geschaffen worden. Interessant war eine Kostenaufteilung zwischen dem Kreis und der Gemeinde. Die Befestigungskosten der Hafenufer, die durch die Kreisbahn beansprucht wurden, übernahm der Kreis. Die Gemeinde hingegen beglich die anderen Kosten. Sowohl der Hafen als auch die Industriebahn wurden am 31. Oktober 1908 im Beisein von dem Oberpräsidenten und dem Regierungspräsidenten in Betrieb genommen. 

 

 

 

 

 

Um 1930 - Der Tegeler Hafen mit Portalkränen über den Gleisanlagen als Kilometerpunkt 0,0 der Industriebahn nach Friedrichsfelde. Um 1930 - Der Tegeler Hafen mit Portalkränen über den Gleisanlagen als Kilometerpunkt 0,0 der Industriebahn nach Friedrichsfelde. Der Tegeler Industriehafen war mit einer Vielzahl von Gleisen ausgestattet und zugleich der Streckenkilometer 0 der Industriebahnstrecke. Es sollen sich bis zu 10 Gleise und 18 einfache sowie 2 Doppelkreuzungsweichen auf dem Gelände befunden haben. Der Hafen lag am „Berlin-Stettiner Großschiffahrtsweg“ und war mit drei Vollportal- und Wagendrehkränen der Firma „C. Flohr“ zur Umladung auf die Schiffe ausgestattet. Diese Vollportaldrehkräne wurden in den Jahren 1908 bis 1911 gebaut und konnten bis zu 5,3 Tonnen bewegen[3].

Diese hatte eine Ausladung von 12 Meter und waren für den Haken- und Greifbetrieb ausgestattet. Mit den drei Kranen wurden im Jahr 1924 insgesamt 61.675 Tonnen Güter umgeladen. Auf dem Hafengelände standen neben einem Bahnangestelltenhaus auch zwei Lokomotivschuppen für 1 bzw. 3 Dampfloks sowie eine 18 m lange Gleiswaage, die jedoch nicht für Fuhrwerke nutzbar war. Außerdem waren mindestens zwei Kohlenbunker für die Dampflokomotiven, ein Wasserkran, ein Wasserturm und eine Werkstatt vorhanden.

Auf einem Foto aus einer Werbebroschüre der 1920er Jahre ist auch ein Feldbahn- bzw. Schmalspurgleis am Hafenbecken zu erkennen. Aus Kipploren wurde der Abraum in die Frachtkähne gekippt.

Durch eine Kurve in südlicher Richtung bestand seit 1909 ein Anschluss zum Bahnhof Berlin-Tegel und damit zur zweigleisigen „Kremmener Bahn“. In östlicher Richtung verlief die eingleisige Strecke nach Friedrichsfelde über die ehemalige „Schloßstraße“ (heute „Berliner Straße“) bzw. „Karolinenstraße“ hinweg. Die Hafengleise wurden während des Ersten Weltkrieges auch durch Lazarettzüge genutzt, die Verwundete zu den Hilfslazaretts am Tegeler See brachten. Hierbei handelte es sich um die einstigen großen Ausflugslokale[4]. Im Oktober 1914 traf der erste Verwundetentransport auf der Schiene im Tegeler Industriebahnhof ein. Bis mindestens zum Jahr 1917 fuhren diese Lazarettzüge auf dem Gleis der ITF.

Bereits im Jahr 1972 wurde der Betrieb am Tegeler Hafen eingestellt. Das Gelände blieb noch einige Jahre ungenutzt bis es dann in den 1980er Jahren umgewandelt wurde.

 

1. Gleisanschluss der „Humboldtmühle bzw. Viktoria-Mühlenwerke

 

Direkt am Tegeler Hafen lag die traditionsreiche Humboldtmühle mit eigenen Anschlussgleisen. Die Mühle erhielt parallel zur Inbetriebnahme des Hafens im Jahr 1908 einen eigenen Gleisanschluss. Es liegen aber keine Informationen vor, ob bei den verheerenden Großbränden am 27. Juni 1912 und im März 1915 die Anschlussgleise auch in Mitleidenschaft gezogen wurden. Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass es bereits im Januar 1898 einen Großbrand in der Humboldtmühle gab. Deswegen wurde die Brandruine in zwei Abschnitten am 20. Mai 1898 und am 11. Juni 1898 aufgrund ihrer Instabilität gesprengt. Der Eisenbahnbezug der Sprengung ergibt sich durch die damaligen Sprengmeister. Es handelte sich um Soldaten des 1. Eisenbahnregiments in Berlin-Schöneberg unter Führung von Hauptmann von der Chevallerie. Nach achttägiger Vorbereitung wurden insgesamt fünf Zentner Sprengstoff eingesetzt.

Links des Lokschuppens erkennt man den zugewachsenen Anschluss der Tegeler Mühle. 1960er Jahre. Foto Sammlung DummerLinks des Lokschuppens erkennt man den zugewachsenen Anschluss der Tegeler Mühle. 1960er Jahre. Foto Sammlung Dummer

Hinter dem Gleistor befanden sich insgesamt zwei Weichen, die in insgesamt drei Prellbockgleisen mündeten. Ein Zeitzeuge berichtete, dass regelmäßig mit Zwiebeln beladene Waggons in den Anschluss geschoben wurden. Es gibt auch ein Bild aus den 1930er Jahren, welches Güterwagen auf einem Anschlussgleis der Mühle zeigt. Diese Schiene endete mit einem Prellbock an einer Gebäudewand. Daneben befanden sich die Laderampe und sogar ein eigener Bahnsteig mit Überdachung.

Es gilt zu vermuten, dass die angelieferten Rohstoffe vor Witterungseinflüssen geschützt werden sollten. Da mir keine weiteren Unterlagen zum Nebengleisanschluss vorlagen, gehe ich davon aus, dass dieser ebenso wie der Tegeler Hafen seit dem 01. Januar 1972 nicht mehr bedient und anschließend demontiert wurde.

 

 

2. Gleisanschluss der „Berliner Verkehrsbetriebe (BVG)“ am Tegeler Hafen

Die „BVG“ unterhielt entlang dieser Industriebahnstrecke insgesamt zwei Gleisanschlüsse. Ein Nebenanschluss lag im Tegeler Hafen und ein weiteres Gleis führte in Höhe der „Cyclopstraße“ zum Straßenbahn-Hauptlager. Das Gleis im Tegeler Hafen diente für Sandumladungen, der als Bremssand für die Straßenbahnen gebraucht wurde. Die Betriebsstrecke zum Tegeler Hafen wurde am 01. Juni 1958 aufgegeben[5]. Weitere Unterlagen lagen zu diesem Gleis leider nicht vor.

 

3. Anmerkungen zu den in Hafen eingesetzten Triebfahrzeugen

User Translog aus dem Drehscheibe Online Forum hat wichtige Ergänzungen zu den im Bahnhof Tegel Hafen eingesetzten Triebfahrzeugen beigesteuert: Die 91 1942 am Schuppen des Tegeler Hafens ist eine mecklenburgische T4, die ab 28. Februar 1963 im Bw Grunewald beheimatet war, vorher war das Bw Lichtenberg ihr Heimat-Bw. 

Die in der Galerie als Farbaufnahme zu sehende 91 1921 gibt Rätsel auf. War sie doch in den Bw Güstrow, Hagenow Land und zu letzt in Wittenberge stationiert. Sie gehörte nie zur Rbd Berlin. Trotzdem wurde sie auf der ITF eingesetzt. User Translog schreibt aber, dass das RAW Tempelhof die Maschine instandsetzte. Vielleicht eine Leihgabe oder ein kurzfristiger Einsatz für ein Schadtriebfahrzeug? [6]

 

4. Die Galerie zum Bahnhof Tegel Hafen

 

19. Juni 1963 – Die Dampflokomotive 91 1942 vor einem der beiden Lokschuppen des Tegeler Hafens. Foto Sammlung Dummer

19. Juni 1963 – Wie vor, jedoch mit dem gesamten Gebäude im Bild. Foto Sammlung Dummer

19. Juni 1963 – Die beiden Lokschuppen des Tegeler Hafens. Foto Sammlung Dummer

Farbfotos waren in den 1960er Jahre rar. Eine BR 91 im Bahnhof Tegel Hafen. 1960er Jahre. Foto Sammlung Dummer

19. Juni 1963 – Das Bahndienstgebäude des Tegeler Hafens. Foto Sammlung Dummer

Der 1980 abgerissene Lokschuppen mit der Humboldtmühle im Hintergrund. Foto Sammlung Dummer

Vier Jahre vor seinen Abriss wird der ehemalige Lokschuppen als Vereinshaus eines Kleingartenvereins genutzt. Foto 10. September 2010 Lars Molzberger

August 1991. Der ehmalige Lokschuppen ist ein Vereinshaus des Kleingartenverein und präsentiert sich gepflegt. Foto Sammlung Dummer

August 1991. Der ehmalige Lokschuppen in einer Gesamtansicht. Foto Sammlung Dummer

 

 Woher stammt das Wissen?

 

[1] vgl. Am Born der Heimatgeschichte, Seite 140.

[2] vgl. Geschichte des Dorfes und Schlosses Tegel, Seiten 222-223.

[3] siehe dazu http://www.bahnerforum.de/forum/printthread.php?t=14324&pp=50 (Abruf am 16.11.2010). Anmerkung: Link funktioniert nicht

[4] vgl. „Einst in Tegel“, Seite 4.

[5] siehe dazu http://www.saschateichmann.de/streckenchronik_ab_1955.html (Abruf am 20.12.2010)

[6] siehe https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?017,9108672,9109767#msg-9109767

 Letzte Bearbeitung am 11. November 2019